Edition Cgm 775

Lesen und Betrachten. Das Büchlein von der geistlichen Gemahelschaft, Text und Bild nach der Handschrift Cgm 775 der Bayerischen Staatsbibliothek München, Sankt Ottilien: EOS Verlag 2017

 

Das Büchlein von der geistlichen Gemahelschaft, das im 15. Jahrhundert vom Melker Laienbruder Lienhart Peuger aus einer Reimpaarfassung in Prosa übertragen wurde, ist eine mystische Erbauungsschrift, die in das Sehen Gottes einführt. In der Tradition der allegorischen Hoheliedauslegung erzählt es von der Begegnung von Christus und seiner Braut, der tugendhaften Seele.

Die Handschrift Cgm 775 der Bayerischen Staatsbibliothek München überliefert diesen Text zusammen mit einem umfassenden Bilderzyklus von 64 lavierten Federzeichnungen. Text und Bild stehen dabei in einem besonderen Verhältnis, versucht doch der Text ein Sehen jenseits einer materiellen Bildlichkeit zu vermitteln.

In der nun unternommenen Edition wird nach der Reimpaarfassung (vgl. Konrads Büchlein von der geistlichen Gemahelschaft, hg. v. U. Schülke, 1970) erstmals die Prosafassung vorgelegt. Dabei finden die 64 Bilder entsprechend ihres in der Handschrift ursprünglichen Textzusammenhangs Berücksichtigung, sodass ein möglichst handschriftennaher Leseeindruck gewahrt wird. Dieser Aspekt wird auch durch die Beibehaltung von farbigen Initialen und Rubrizierungen in der Edition verdeutlicht.

Im Zentrum einer umfassenden Einleitung steht das Verhältnis von Text und Bild. Aus dem Blickwinkel von Theologie, Literatur- und Bildwissenschaften wird dabei untersucht, inwiefern die Bilder der Handschrift den Text nicht nur illustrieren, sondern auch als Form einer Transkription den Text erläutern und kommentieren.

Die Prosafassung des Büchleins von der geistlichen Gemahelschaft wurde u.a. von Johann Bämler erstmals 1477 als Buch der Kunst, dadurch der weltlich Mensch mag geistlich werden gedruckt. Diese Inkunabel war wiederum Vorlage für mehrere Nachdrucke, die der Dillinger Laientheologe Adam Walasser gegen Ende des 16. Jahhunderts unter dem Titel Von der Gemahelschafft des himlischen Künigs herausgab. Die Darstellung dieser gedruckten Überlieferung mit ihren spezifischen medienbedingten Veränderungen, vor allem vom gemalten Bild zum Holzschnitt, bildet den Abschluss der einleitenden Untersuchung.

 

Dateidownload
Hier ist Platz für eine Beschreibung